Wer seinen Stromverbrauch reduzieren möchte, schaut zuerst auf große Verbraucher wie Waschmaschine oder Kühlschrank. Dabei schlummert ein oft unterschätztes Einsparpotenzial direkt auf dem Fernsehtisch, unter dem Schreibtisch und hinter jedem Sofa: der Standby-Betrieb. Fernseher, Spielkonsolen, Ladegeräte und WLAN-Router verbrauchen zusammen oft mehr Energie, als man ahnt – und das Rund um die Uhr, ohne dass man sie aktiv nutzt. Mit den richtigen smarten Hilfsmitteln lässt sich dieser stille Energiedieb ganz bequem stoppen.

Was kostet Standby wirklich?

Ein einzelnes Gerät im Bereitschaftsmodus verbraucht oft nur ein bis drei Watt – das klingt nach wenig. Doch in einem typischen Haushalt stehen zahlreiche Geräte gleichzeitig auf Standby: Fernseher, Receiver, Soundbar, Spielkonsole, DVD-Player, Drucker, Mikrowelle mit Display, Kaffeemaschine und mehr. Zusammengerechnet können das leicht 50 bis 100 Watt sein, die permanent gezogen werden.

Bei einem Jahresverbrauch von 876 Kilowattstunden allein durch Standby und einem Strompreis von etwa 30 Cent pro Kilowattstunde entstehen Jahreskosten von rund 260 Euro – nur für Geräte, die man nicht aktiv benutzt. Selbst bei konservativeren Schätzungen von 40 bis 50 Watt Dauerleistung ergibt sich eine jährliche Belastung von über 100 Euro. Geld, das sich mit einfachen Maßnahmen einsparen lässt.

Welche Geräte verbrauchen im Standby am meisten?

Nicht alle Geräte sind gleich – manche sind besonders energiehungrig, wenn sie scheinbar ausgeschaltet sind. Eine grobe Übersicht der häufigsten Übeltäter:

  • Spielkonsolen: Moderne Konsolen können im Ruhemodus 10 bis 15 Watt oder mehr verbrauchen, besonders wenn automatische Updates aktiviert sind.
  • Ältere Fernseher und Receiver: Geräte aus früheren Generationen haben oft keinen echten Soft-Off-Modus und ziehen kontinuierlich 5 bis 10 Watt.
  • Drucker: Viele Tintenstrahldrucker starten regelmäßig Reinigungszyklen und bleiben dafür dauerhaft im Netz.
  • Ladegeräte ohne angeschlossenes Gerät: Ein Ladekabel in der Steckdose ohne Gerät verbraucht zwar wenig, aber bei mehreren Ladegeräten summiert sich auch das.
  • Heimkinoanlagen und Soundbars: Besonders ältere Modelle warten dauerhaft auf Fernbedienungssignale und belasten die Stromrechnung.
  • Mikrowellen und Kaffeemaschinen mit digitaler Uhr: Das Display läuft rund um die Uhr und benötigt dafür durchgehend Strom.

Neuere Geräte mit dem EU-Energielabel sind zwar deutlich sparsamer, aber kein Gerät der Unterhaltungselektronik ist im Standby bei null Watt. Wer wirklich nichts verbrauchen will, muss den Strom komplett trennen.

Smarte Steckdosen: Der einfachste Einstieg

Smarte Steckdosen sind das praktischste Werkzeug, um Standby-Verbrauch zu bekämpfen. Sie werden zwischen Steckdose und Gerät geschaltet und können per App, Sprachbefehl oder Zeitplan geschaltet werden. Viele Modelle messen zusätzlich den Energieverbrauch in Echtzeit – eine wertvolle Funktion, um zunächst einmal zu verstehen, was welches Gerät tatsächlich verbraucht.

Zeitpläne einrichten

Eine der effektivsten Funktionen ist die Zeitplanung. Man legt fest, dass alle Geräte im Heimkino-Bereich zum Beispiel zwischen 1:00 Uhr nachts und 10:00 Uhr morgens komplett abgeschaltet werden. Wer erst um 18 Uhr nach Hause kommt, kann den Abschaltzeitraum entsprechend verlängern. So läuft kein Gerät unnötig, ohne dass man täglich daran denken muss.

Verbrauchsmessung als erste Maßnahme

Bevor man smarte Lösungen einkauft, lohnt es sich, mit einer einfachen Strommessgerät-Steckdose zu beginnen. Diese kosten wenige Euro und zeigen den genauen Verbrauch eines Geräts – auch im Standby. So erkennt man sofort, welche Geräte sich am meisten lohnen, dauerhaft abzuschalten.

Smarte Steckdosenleisten für ganze Gerätekombinationen

In vielen Bereichen des Hauses hängen mehrere Geräte an einem gemeinsamen Standort: der Fernseher mit Receiver, Konsole und Soundbar, oder der Arbeitsplatz mit PC, Monitor, Lautsprecher und Drucker. Hier sind smarte Steckdosenleisten die clevere Lösung.

Sie bieten in der Regel mehrere schaltbare Steckplätze, oft mit einem sogenannten Hauptgerät-Slot. Das Prinzip: Schaltet das Hauptgerät – etwa der PC oder der Fernseher – in den Standby oder aus, erkennt die Steckdosenleiste das anhand des Stromverbrauchs und trennt automatisch auch alle abhängigen Geräte vom Netz. Man muss also nur ein Gerät ausschalten, und alles andere folgt automatisch.

Für den Schreibtisch-Bereich bedeutet das: Den Computer herunterfahren, und Monitor, Lautsprecher sowie Drucker gehen ebenfalls automatisch vom Netz. Keine Phantomlasten mehr, ohne zusätzlichen Aufwand.

Wie lassen sich smarte Geräte sinnvoll ins Smart Home einbinden?

Wer bereits ein Smart Home betreibt oder aufbaut, kann Standby-Management in übergeordnete Automationen einbinden. Beliebte Systeme wie Amazon Alexa, Google Home oder Apple HomeKit lassen sich mit den meisten smarten Steckdosen kombinieren. Die Integration eröffnet deutlich mehr Möglichkeiten als einfache Zeitpläne.

Szenen und Routinen nutzen

Eine typische Anwendung ist die „Gute Nacht"-Routine: Sagt man abends dem Sprachassistenten „Gute Nacht", werden automatisch alle definierten Geräte abgeschaltet – Fernseher-Zone, Büro-Zone, Spielzimmer. Morgens schaltet eine „Guten Morgen"-Routine nur die wirklich benötigten Geräte wieder ein. So verbraucht der Drucker im Homeoffice nicht die ganze Nacht Strom, obwohl man ihn nur tagsüber braucht.

Anwesenheitserkennung als automatische Abschaltung

Viele Smart-Home-Systeme unterstützen die Geo-Fencing-Funktion: Das Smartphone erkennt, wenn man das Haus verlässt, und schaltet automatisch definierte Steckdosen ab. Kehrt man zurück, werden sie wieder eingeschaltet. Diese Lösung ist besonders komfortabel, weil sie ohne Zeitpläne auskommt und sich dem echten Alltag anpasst.

Integration von WLAN-Steckdosen und Zigbee-Geräten

Beim Kauf smarter Steckdosen sollte man auf das Kommunikationsprotokoll achten. WLAN-Steckdosen sind einfach einzurichten, belasten aber das Heimnetzwerk und benötigen oft eine Cloud-Anbindung. Zigbee- oder Z-Wave-Geräte sind unabhängiger, energiesparender und reagieren schneller, benötigen aber einen kompatiblen Hub. Wer langfristig plant, fährt mit Zigbee oft günstiger – sowohl beim Energieverbrauch der Steckdosen selbst als auch bei der Zuverlässigkeit.

Praktische Tipps für jeden Raum

Die wirkungsvollsten Maßnahmen hängen davon ab, wo und wie man wohnt. Hier sind konkrete Empfehlungen für die häufigsten Situationen:

Wohnzimmer: Die Unterhaltungszentrale

Im Wohnzimmer lohnt sich eine smarte Steckdosenleiste für alle Unterhaltungsgeräte am meisten. Fernseher, Receiver, Konsole, Soundbar und Streaming-Box gehören an eine gemeinsame schaltbare Leiste. Wer die Leiste so konfiguriert, dass sie sich nach einer definierten Zeit ohne Aktivität abschaltet, spart auch dann, wenn man vergisst, den Fernseher richtig auszuschalten.

Homeoffice und Arbeitszimmer

PC oder Laptop, Monitor, externe Festplatten, Lautsprecher und Drucker: Im Büro summieren sich die Standby-Lasten schnell. Eine smarte Steckdosenleiste mit Hauptgerät-Erkennung – der PC als Master – stellt sicher, dass nach Feierabend automatisch alles abgeschaltet wird. Besonders Drucker und externe Festplatten verursachen oft unterschätzte Standby-Verbräuche.

Küche: Kleine Geräte, dauerhafter Verbrauch

Mikrowelle, Kaffeemaschine mit Timerfunktion und Toaster mit digitalem Display laufen in vielen Küchen rund um die Uhr. Da man diese Geräte nur zu bestimmten Tageszeiten braucht, bietet sich eine einfache schaltbare Steckdose mit Zeitplan an. Die Kaffeemaschine schaltet sich morgens um 6:30 Uhr automatisch ein und abends um 20:00 Uhr wieder ab – kein Standby in der Nacht.

Keller und Garage: Die vergessenen Energiefresser

Gefriertruhen, Werkzeugmaschinen mit Netzteil, alte Kühlschränke oder HiFi-Anlagen im Hobbyraum – in Keller und Garage schlummern oft ältere Geräte, die dauerhaft Strom ziehen, obwohl sie kaum genutzt werden. Hier kann eine smarte Steckdose mit Verbrauchsmessung zuerst aufzeigen, was tatsächlich verbraucht wird, bevor man entscheidet, ob ein Gerät überhaupt noch gebraucht wird.

Welche smarten Geräte lohnen sich finanziell?

Eine smarte Steckdose kostet je nach Modell und Funktionsumfang zwischen 10 und 30 Euro. Eine smarte Steckdosenleiste liegt bei 20 bis 50 Euro. Die Frage ist: Rechnet sich die Investition?

Ein Beispiel: Die Spielkonsole verbraucht im Ruhemodus 12 Watt. Im Jahr sind das bei 24 Stunden täglichem Standby rund 105 Kilowattstunden, also etwa 31 Euro. Eine 15-Euro-Steckdose amortisiert sich also in weniger als sechs Monaten – und die Einsparung läuft danach weiter. Mehrere solcher Geräte zusammen können die Anschaffungskosten in wenigen Wochen eingespielen.

Wichtig beim Kauf:

  • Auf die maximale Schaltleistung achten – für leistungsstarke Geräte mindestens 2.300 Watt oder 10 Ampere wählen.
  • Modelle mit integrierter Verbrauchsmessung bevorzugen, da sie mehr Transparenz bieten.
  • Kompatibilität mit dem eigenen Smart-Home-System prüfen, bevor man kauft.
  • Markenprodukte mit CE-Kennzeichen wählen – billige No-Name-Geräte ohne Zertifizierung können ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Über smarte Steckdosen hinaus: Weitere Maßnahmen gegen Phantomlasten

Smarte Steckdosen sind effektiv, aber es gibt weitere einfache Maßnahmen, die ohne zusätzliche Technik auskommen und dennoch Strom sparen:

  • Ladegeräte nach dem Laden ausstecken: Ein Ladegerät ohne angeschlossenes Gerät zieht zwar wenig Strom, aber bei fünf oder mehr Ladegeräten summiert sich das über das Jahr. Die Gewohnheit, Kabel nach der Nutzung auszustecken, kostet nichts.
  • Geräte mit echtem Ausschalter nutzen: Manche Geräte haben einen Hardschalter, der sie wirklich komplett vom Netz trennt. Wo vorhanden, sollte man diesen nutzen.
  • Ältere Geräte ersetzen: Ein zehn Jahre alter Fernseher ohne modernen Standby-Standard verbraucht oft ein Vielfaches eines aktuellen Modells. Hier kann sich ein Neukauf langfristig rechnen, sofern das alte Gerät ohnehin ersetzt werden soll.
  • Energiespareinstellungen in Geräten aktivieren: Viele Fernseher, Konsolen und Monitore haben Optionen wie „Auto-Standby", „Tiefschlafmodus" oder „Eco-Modus", die den Verbrauch deutlich senken, ohne dass man die Steckdose ziehen muss.
  • Router und Modem nachts abschalten: Wer keine Nacht-Downloads oder Smart-Home-Geräte hat, die nachts laufen müssen, kann Router und DSL-Modem per Zeitplan abschalten. Das spart bei einem typischen Router rund 10 bis 15 Watt – über Nacht und am Wochenende kommt da einiges zusammen.

Fazit: Wenig Aufwand, dauerhafte Ersparnis

Der Standby-Verbrauch im Haushalt ist einer der am leichtesten beeinflussbaren Kostenfaktoren auf der Stromrechnung. Anders als eine neue Heizung oder eine Solaranlage erfordert das Abschalten von Bereitschaftsstrom weder große Investitionen noch handwerkliches Geschick. Ein paar smarte Steckdosen, durchdachte Zeitpläne und die Integration in vorhandene Smart-Home-Routinen reichen aus, um dauerhaft 100 Euro und mehr im Jahr zu sparen.

Der erste Schritt ist die Bestandsaufnahme: Ein einfaches Strommessgerät zeigt, welche Geräte die größten Energiefresser sind. Dann lohnt es sich, mit dem Wohnzimmer oder dem Büro anzufangen – dort ist das Einsparpotenzial am größten. Smarte Steckdosen und Steckdosenleisten übernehmen danach die Arbeit automatisch, ohne dass man täglich daran denken muss. So wird Energiesparen zur Gewohnheit, die sich ganz nebenbei auf der nächsten Stromrechnung bemerkbar macht.